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Kunst aus vier Jahrhunderten

Donnerstag, 05.10.2017

Warum ist es eigentlich wichtig, das Radebeul eine städtische Kunstsammlung besitzt?
Die Interessen der Jüngeren verlagern sich zurzeit rasant. Sportvereine expandieren, Kunst und Geschichtsvereine lösen sich auf. Und immer wieder heißt es lapidar »Kunst und Kultur muss man sich leisten können«. In diesem
Zusammenhang sei an die vielfältigen kulturellen Aktivitäten unmittelbar nach dem Ende des zweiten Weltkrieges erinnert. Bereits im Juni 1945 hatten Künstler und umsichtige Kommunalpolitiker im Radebeuler »Haus der Kunst« eine erste Kunstausstellung organisiert, zu der die Menschen in Scharen, selbst zu Fuß aus Dresden, strömten. Man hungerte, hatte nur ein notdürftiges Dach überm Kopf, doch Kunst und Kultur vermittelten ihnen im schwierigen Alltag Lebensmut.

Es sind wohl immer wieder die Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche, die neue Ideen hervorbringen und deren Umsetzung ermöglichen. Das Anliegen, für Radebeul eine städtischen Kunstsammlung aufzubauen, stieß bei Dr. Dieter Schubert, der von 1991 bis 2005 die Funktion des Amtsleiters für Bildung und Kultur innehatte,
auf großes Verständnis, wirken doch seit Generationen außergewöhnlich viele Bildende Künstler in der Lößnitzstadt. Und so konnte 1992 erstmals ein Budget für Kunstankäufe in den Städtischen Haushalt eingestellt
werden. Seitdem fanden sich zahlreiche Förderer und immer wieder auch Künstler, die durch Schenkungen zum Wachsen und Gedeihen der Städtischen Sammlung beigetragen haben. Mit der Umwandlung des Städtischen
Museums Hoflößnitz in die Stiftung Weingutmuseum Hoflößnitz ging ein Konvolut von ca. 200 vorwiegend stadtgeschichtlich geprägten Kunstexponaten des 19. und 20. Jahrhunderts in die Sammlung ein, deren Gesamtbestand inzwischen weit über 2.000 Exponate umfasst. Der eigentliche Wert der Sammlung besteht darin, für künftige Generationen zum kulturellen Gedächtnis der Stadt einen Beitrag geleistet zu haben und nicht im
möglichen Verkaufserlös einzelner Exponate auf dem schwankenden Kunstmarkt. In diesem Sinne wertvoll ist zum Beispiel eine kleine kolorierte Porträtzeichnung, die Claus Weidensdorfer als Schüler von seinem Lehrer Dr. Georg Paech angefertigt hatte, der in ihm das Interesse für die Kunst weckte, woran sich der 86-jährige renommierte Maler und Grafiker noch heute voller Dankbarkeit erinnert. Sammeln erfordert Leidenschaft, Wissen, Spürsinn, Geld, Zeit und Raum. Das Wissen wächst mit der Sammlung. Geld, Zeit und Raum sind jedoch knapp bemessen. Ein klares Sammlungsprofil ist unbedingt erforderlich, damit aus der Sammlung kein Sammelsurium wird. Der erste
Kunstankauf, Heinz Draches Gemälde »Meine Umgebung«, bildete den bewussten Kontrast zur lieblichen Lößnitzidylle. Dass sich Radebeul bereits ab Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem nicht unbedeutenden Industriestandort entwickelt hatte, wurde von der Kunstszene immer wieder ignoriert und bis heute dominiert
die konventionelle Vorstellung von der privilegierten Villen-, Wein- und Gartenstadt.
Unter dem Motto »Sammlung statt Sammelsurium « gibt die Stadtgalerie zum 25-jährigen Bestehen der Städtischen Kunstsammlung einen kleinen Einblick in den Sammlungsbestand.
Gezeigt werden einhundertvierzig Exponate aus vier Jahrhunderten. Schwerpunktthemen sind Stadt- und Naturlandschaften, Künstlerbildnisse und Künstlerselbstbildnisse, figürliche Darstellungen, Tierstudien und Stillleben. Ausgewählte Arbeiten reflektieren zeitgeschichtliche Ereignisse und individuelle Befindlichkeiten. Mit ihrer Sammlung
verfügt die Stadt Radebeul über einen reichhaltigen Bestand an Kunstwerken der Malerei, Grafik und Plastik von weit über einhundert verstorbenen und lebenden Künstlern, die auf unkomplizierte Weise in die Gestaltung von thematischen Ausstellungen integriert werden können. Darüber hinaus beinhaltet die Sammlung Skizzenbücher, Entwürfe, Modelle, Bild-,Text-, Film- und Tondokumente. Für die kunstwissenschaftliche Forschung bietet sich ein
breites Betätigungsfeld. Das in die Stadt gesetzte Vertrauen gilt es durch einen achtsamen Umgang mit diesem großen Schatz zu rechtfertigen.
Und vielleicht erfüllt sich eines schönen Tages auch der Traum vom öffentlich zugängigen Schaudepot. Die Erarbeitung einer ersten zusammenfassenden Bestandsanalyse erfolgt bis Februar 2018.


Die Ausstellung wird bis 29.10. und vom 19.11. bis 17.12.2017 gezeigt.
Auf Anfrage finden für Gruppen Sonderführungen statt.


Karin Baum

Fuß